Donnerstag, 15. Januar 2015

Buddha in Brooklyn von Richard S. Morais

Ein berührendes Buch über den steinigen Weg zur Erleuchtung.
 
Bildquelle: Piper Verlag

Er wird als Lehrer gesandt und wird selbst zum Schüler.
 
Aber worum geht es?
Der buddhistische Mönch Seido Oda muss sein vertrautes Kloster in Japan verlassen, um in Brooklyn einen Tempelbau zu beaufsichtigen. Von diesem Plan ist er anfangs überhaupt nicht begeistert, doch als guter Mönch fügt er sich. In Amerika wird er dann mit einer ihm völlig fremden Lebensweise konfrontiert. Die Amerikaner haben für ihn nicht nachvollziehbare Ansichten und versprechen sich vom Buddhismus sehr viel. Oda lernt sie mit der Zeit aber immer besser kennen und muss bald merken, dass seine konservative Art eher auf Ablehnung trifft. Das Projekt nimmt ihn immer mehr mit. Und dann ist da auch noch seine Assistentin Jennifer. Flippig, laut und anstrengend.  Wird es Oda bei diesen Menschen gelingen, Tempel und Gemeinde aufzubauen?
 
Meine Meinung:
Insgesamt hat mir das Buch sehr gefallen.
Der Mönch ist manchmal unbeholfen im Umgang mit seiner neuen "Gemeinde" in Amerika und von ihrer Art, den Buddhismus zu leben eher abgestoßen als erfreut. Sie nennen ihn "Reverend Oda" und beziehen ihre Lehren u.a. aus Werken wie " Buddhismus für Dummies". Und das merkt man auch. Seido kann es manchmal kaum glauben, was da um ihn herum passiert. Aus seinem Entsetzen macht er kein Geheimnis und findet so natürlich keine Freunde.
Man kann beobachten, wie zwei Welten aufeinander treffen und das hat seine komischen Momente, die mir sehr gefallen haben.
Oda lernt die unterschiedlichsten Menschen und Schicksale kennen und merkt schnell, dass nicht jeder nur so ist, wie er anfangs zu sein scheint. Außerdem muss der Mönch aus Japan auch mit seinen eigenen Schicksalsschlägen zurechtkommen, die ihn sehr geprägt haben.
 
Die Person Oda war mir an sich sympathisch. Der in manchen Dingen sehr unbeholfene Mönch, wird von seinem idyllischen Kloster, seinem Zuhause in eine Großstadt geschickt. Es ist alles zu viel, zu voll und zu laut und zu anders. Er lernt, sich zu gewöhnen und es zu ertragen, denn er weiß, wenn der Tempel erstmal steht, darf er wieder nach Japan.
Er ist irgendwie ein wenig schrullig und dabei sehr "niedlich". Ich denke da an Kapitel 14. Dort besucht er nämlich ein Konzert und macht sich so seine Gedanken.
 
"[...] Und so wagte ich mich spätabends zu diesem Konzert nach Manhattan hinaus, das um elf Uhr beginnen sollte - einer Zeit, zu der ich normalerweise schon im Bett lag, und ich betete inständig, dass ich wach bleiben würde. [...]" Seite 303.
 
Ich glaube, dieser Ausschnitt spricht für sich. ;-)
 
Neben den sprachlichen Barrieren, fällt es ihm sehr schwer, mit diesem schnellen und seiner Meinung nach oberflächlichen Leben klarzukommen. Dennoch kämpft er sich durch und findet Menschen, die ihm etwas bedeuten. Er hat eine freundliche und ruhige Art, ist aber innerlich genauso voller Konflikte und Sorgen wie andere. Seido hat seiner neuen Gemeinde gegenüber Vorurteile und verachtet sie teilweise. Trotzdem kann er ihnen gegenüber auch Mitgefühl zeigen und hilft. Oda ist ein frommer Mensch, der sich seinem Schicksal fügt, fortgeht, um zu lehren und dabei selbst einiges lernt.
 
Seine Assistentin Jennifer  ist flippig und emanzipiert. Eigentlich nicht ungewöhnlich, aber für einen Mönch, der den Großteil seines Lebens in seinem Kloster in Japan verbracht hat, ist sie gewöhnungsbedürftig und zu forsch. Doch sehr bald merkt auch Oda, dass sie es mit ihm und seinem Glauben wirklich sehr ernst meint und mehr als nur eine gute Schülerin ist.
 
Mir hat es Spaß gemacht, Oda beim Entdecken dieser ihm neuen und fremden Welt über die Schulter zu schauen. In manchen Dingen ist er naiv und unerfahren, tritt in Fettnäpfchen und muss manches auf die harte Tour lernen.
Die High Society nimmt ihn auf, scheint fasziniert zu sein von dem Mönch und zeigt ihn gern herum. So kommt er sogar einmal in den Genuss einer Modenschau. Ansonsten gehen sie mit dem Buddhismus eher oberflächlich um, folgen vielleicht mehr einem Trend, als einer Bestimmung.
 
Die Story an sich ist nicht neu. Jemand kommt plötzlich in eine ihm völlig fremde Welt und muss lernen, sich durchzuschlagen! Trotzdem ist Buddha in Brooklyn eine schöne Geschichte, die ich gern gelesen habe. Es ist ein buntes und emotionales Buch, dass einen über das ein oder andere nachdenken lässt.
 
Was mir nicht ganz so gut gefallen hat, ist der Anfang. Der zieht sich leider ein wenig. Es wird mir zu viel über die Religion und ihre Ursprünge berichtet. Und das auch eher etwas trocken. Jedenfalls nicht so, dass es mich besonders interessiert hätte.
Aber danach hat mich das Buch wirklich noch überrascht. Es passiert einfach viel mehr, es kommt mehr Handlung ins Spiel, es wird lebendiger und interessanter.
 
Ich kann Euch das Buch trotz eines etwas schwächeren Anfangs sehr empfehlen. Es ist witzig und kann auch lehrreich sein.
 
Buddha in Brooklyn
Richard C. Morais
Roman
Erschienen am 08.12.2014
368 Seiten, Kartoniert
ISBN: 978-3-492-30595-2
€ 9,99 [D], € 10,30 [A], sFr 14,90
 
 
Ob Oda die Menschen bekehren kann und selbst das findet, was er sucht? Lest selbst nach, wie es mit dem Mönch weitergeht!
Das Buch findet Ihr hier!
 
Viele liebe Grüße vom Cocolinchen!
 
Mein Exemplar wurde mir freundlicherweise vom Piper Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!
 

Kommentare:

  1. Hört sich gut an das Buch!:)

    jodie30o.blogspot.com

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  2. Danke für den Linktipp! Das nehm ich gleich auf meine Leseliste auf!

    Liebe Grüße,

    Birgit

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